Expeditions-Logbuch
02. September 2026
Iona
So einen Empfang hatten wir noch nie. Auf der Pier der kleinen Gemeinde Iona am Bras d’Or Lake in Nova Scotia steht zu unserer Begrüßung ein junger „Piper“ im Kilt und spielt auf einem Dudelsack virtuos verschiedene Melodien. Das keltisch – schottische Erbe wird in Iona hochgehalten. Wir sind begeistert. Für die Menschen in der 250-Seelen-Gemeinde scheint unsere Ankunft das maritime Highlight des Jahres zu sein. Überall hängen Plakate, die auf den Besuch der Dagmar Aaen hinweisen. An Bord geben sich die Gäste quasi die Klinke in die Hand. Als erstes kommt Professor Douglas Wallace von der Delhousie Universität in Halifax. Er hat unseren Besuch eingefädelt. Doug, wie sie ihn hier alle nennen, ist Ozeanograph und fördert die Aktivitäten in der Gemeinde, wo er kann. 2011 Wurde der weit verzweigte Bras d’or Lake zum UNESCO Biosphären Reservat erklärt und seitdem gibt es eine Gruppe von engagierten Einwohnern, die die Zukunft des Dorfes selbst in die Hand genommen haben. Mit Unterstützung der Behörden, der Tourismus-Agentur und mit Doug’s Hilfe entstand das „Aros na Mara“, das Haus des Meeres. Ein einfaches Gebäude mit einer kleinen, kindgerechten Meeresausstellung. Die ehrenamtlichen Betreiber haben den Anspruch, mit dem „Aros na Mara“ die Kultur der Region, Bildung und Wissenschaft zusammen zu bringen, das dörfliche Miteinander zu fördern und Iona als Urlaubsort bekannter zu machen.
Wissenschaftlich ist die Seenlandschaft besonders interessant, weil sich dort Süß- und Salzwasser mischen und an einigen besonders tiefen Stellen das Wasser so kalt ist (-1 bis +1 Grad), dass dort urzeitliche Organismen überleben konnten.
Während Arved ein Gespräch nach dem anderen führt (zum Beispiel auch mit Tom, der als Vertreter des Stammes der Mi‘kmaq im Auftrag der UNESCO die Aktivitäten im Biosphären Reservat koordiniert), wird der Crew von unseren Gastgebern jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Sei es der Fahrdienst zum Einkaufen, das Taxi zu den Duschen auf einem nahe gelegenen Campingplatz oder eine Sightseeing Tour, immer ist jemand da, der uns seine Hilfe anbietet. Beim Open Ship auf der Dagmar Aaen bilden sich lange Schlangen.
Mehr als 200 Besucher führen wir in Kleingruppen über das Schiff. Darunter auch viele Deutsche Pensionäre, die sich ein Grundstück in der Gegend gekauft haben und den Sommer in Kanada verbringen.
Einen Nachmittag genießen wir im Iona Heights Inn, dem Pub des Dorfes, wo sich Einheimische mit Geigen, Gitarren , Klavier und Banjo treffen, um gemeinsam Musik zu machen. Auch Mika und Eberhard aus unserer Crew dürfen mitmischen.
Zur Krönung unseres Besuchs lädt Bruce Hatcher, ein Biologe und Tauchexperte, Marie und Lukas zu einem Tauchgang im See sein. Als die beiden zurückkommen, scheint ihnen das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht zu gehen.
Bei unserem Abschied stehen viele Menschen auf der Pier und hören nicht auf zu winken. Unser nächstes Ziel ist Bridgewater am La Have River südwestlich von Halifax. Dort soll die Dagmar Aaen überwintern.
Matze
Position: 45.66122, -60.87254

















